Kennst du das? Du scrollst durch deine 800 Facebook-Freunde, aber wenn du einen Geburtstag planst, lädst du nur 30 ein. Du hast 500 LinkedIn-Kontakte, sprichst aber nur mit 15 regelmäßig. Bei der Firmenfeier mit 200 Kollegen fühlst du dich verloren und suchst deine fünf engen Vertrauten. Du versuchst, mit allen in Kontakt zu bleiben, aber fühlst dich überfordert und erschöpft. Diese ständige Überforderung kostet dich Energie und lässt echte Freundschaften verwässern.

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Nach der Analyse mehrerer Studien aus Anthropologie und Neurowissenschaften zeige ich dir heute, warum dein Gehirn eine natürliche Grenze hat. Die Dunbar-Nummer (auch Dunbar-Zahl genannt) erklärt, warum du nicht mit allen bedeutungsvoll verbunden sein kannst. Egal ob in deiner Partnerschaft, im Job oder mit Freunden: Diese kognitive Grenze betrifft jeden von uns.

Die gute Nachricht: Du bist nicht oberflächlich oder ein schlechter Freund, wenn du nicht alle 500 Kontakte pflegst. Dein Gehirn ist einfach biologisch begrenzt. Wir alle stehen vor derselben Herausforderung. Der Unterschied ist, ob du bewusst entscheidest, wo du deine Energie investierst.

In diesem Artikel erfährst du, was die Dunbar-Nummer ist und wie sie deinen Alltag beeinflusst. Ich zeige dir konkrete Beispiele aus Arbeit, Familie und Freundschaften. Außerdem bekommst du praktische Strategien, wie du deine sozialen Beziehungen bewusster gestaltest und Überforderung vermeidest.

Was ist die Dunbar-Nummer?

Die Dunbar-Nummer besagt, dass du etwa 150 stabile soziale Beziehungen aufrechterhalten kannst. Stabil bedeutet: Du kennst die Person, verstehst ihre Verbindungen zu anderen und könntest ohne Weiteres mit ihr ein Bier trinken. Diese Zahl basiert auf der Größe deines Neokortex, dem Teil des Gehirns, der für soziale Informationen zuständig ist.

Stell dir vor: Du arbeitest in einem Team von 20 Kollegen. Mit fünf hältst du engen Kontakt, triffst dich nach der Arbeit, kennst ihre Familien. Die anderen 15 kennst du, grüßt im Flur, aber mehr nicht. Bei der jährlichen Firmenfeier mit 200 Leuten fühlst du dich verloren. Du sprichst nur mit deinen Kernmenschen, denn neue Kontakte kosten zu viel Energie.

Die Dunbar-Nummer ist keine exakte Grenze. Sie schwankt zwischen 100 und 250, abhängig von Persönlichkeit und Lebenssituation. Extrovertre Menschen liegen tendenziell höher. Aber die 150 sind ein guter Durchschnitt, den Forschung immer wieder bestätigt.

Warum hat dein Gehirn diese Grenze?

Dein Neokortex ist nur begrenzt groß. Er kann nur eine bestimmte Menge sozialer Informationen verarbeiten. Bei 150 Personen trackst du Namen, Gesichter, Beziehungen zueinander, gemeinsame Geschichte. Darüber hinaus wird es zu komplex. Dein Gehirn überlastet.

Diese Grenze ist evolutionär sinnvoll. Unsere Vorfahren lebten in Gruppen von etwa 150 Menschen. Das waren natürliche Dorfgrößen, Jagdverbände, Clans. Größere Gruppen brauchten Hierarchien und Regeln, um zusammenzuhalten. Kleinere Gruppen kamen mit persönlicher Bindung und Vertrauen aus.

Neurowissenschaftliche Studien zeigen: Die Größe deines Default-Mode-Netzwerks im Gehirn korreliert mit deiner Netzwerkgröße. Menschen mit einem größeren sozialen Netzwerk haben messbar größere Gehirnareale für soziale Kognition. Diese Korrelation findet sich auch bei Primaten. Dein Gehirn ist biologisch auf etwa 150 Verbindungen optimiert.

Wie zeigt sich das in deinem Alltag?

Du hast eine Partnerin und zwei enge Paarfreunde. Auf einer Dating-App hast du 300 Follower, chattest aber nur mit wenigen. Der Rest bleibt oberflächlich, denn dein Gehirn kann nicht mehr tracken. Du scrollst durch Profile, vergisst Namen, fühlst dich leer trotz vieler Kontakte.

In deiner Großfamilie mit 50 Verwandten pflegst du enge Bande zu 15. Der Rest sind Weihnachtskarten-Kontakte. Bei Familientreffen priorisierst du die Kernfamilie. Du verbringst Zeit mit deinen Geschwistern, ihren Kindern, deinen Eltern. Die Cousins dritten Grades kennst du kaum. Das ist normal, nicht herzlos.

Du triffst dich wöchentlich mit deinen fünf besten Freunden. Von 100 Facebook-Freunden schreibst du nur 15 privat. Beim Klassentreffen erkennst du alle, fühlst dich aber nur bei den stabilen 150 wohl. Die anderen 50 waren nie Teil deines engen Kreises. Du erinnerst dich vage, aber echte Verbindung fehlt.

Die Dunbar-Nummer hat auch nested Layers: 5 Intimfreunde bekommen 40% deiner Sozialzeit. Dann kommen 15 gute Freunde, die weitere 20% erhalten. Dann 50 Bekannte. Zusammen bilden diese Kreise deine stabilen 150. Darüber hinaus kennst du bis zu 500 Acquaintances, aber die Beziehungen sind oberflächlich.

Der Unterschied: Mit und ohne Bewusstsein

Ohne Dunbar-Nummer-Bewusstsein: Du leitest ein Team von 200 Mitarbeitern. Alle fühlen sich isoliert, niemand kennt einander richtig. Die Kommunikation bricht zusammen, Missverständnisse häufen sich. Die Fluktuation steigt um 30%, weil Menschen keine Zugehörigkeit spüren. Du versuchst verzweifelt, mit allen Kontakt zu halten, brennst aus.

Mit Dunbar-Nummer-Bewusstsein: Du teilst das Team in zehn Subgruppen von je 20 Personen. Jede Gruppe hat eigene Meetings, Projekte, soziale Events. Die Kohäsion wächst, Menschen kennen ihre Teammitglieder. Die Produktivität steigt um 20%. Du fokussierst deine Energie auf die 15 Kernleute. Alle fühlen echte Zugehörigkeit.

So gehst du bewusst damit um

Wenn du die Dunbar-Nummer verstehst, kannst du deine sozialen Beziehungen bewusster gestalten. Du vermeidest Überforderung und investierst Energie dort, wo sie zählt. Hier sind konkrete Schritte:

  1. Zähle deine echten Verbindungen: Mit wem könntest du ungeniert trinken gehen? Das sind deine stabilen Beziehungen. Tracke sie via Liste oder App. Erkenne, wo du stehst.
  2. Priorisiere deinen Kernkreis: Investiere zwei Drittel deiner Sozialzeit in deine 15 engsten Menschen. Lass alte Kollegen oder entfernte Bekannte ruhen. Das ist nicht egoistisch, das ist Selbstfürsorge.
  3. Teile große Gruppen: Wenn dein Team oder Verein über 150 wächst, schaffe Subgruppen. Fünf bis 15 Menschen pro Gruppe funktionieren am besten. So bleibt Kohäsion erhalten.
  4. Miste toxische Kontakte aus: Lass Menschen los, die dir Energie rauben. Schaffe Platz für positive Beziehungen. Du hast biologisch nur 150 Slots. Nutze sie weise.
  5. Akzeptiere Oberflächlichkeit: Nicht jeder LinkedIn-Kontakt muss ein Freund werden. Social Media erweitert deine Dunbar-Nummer nicht. Die 500 Follower sind Bekannte, keine engen Verbindungen. Das ist okay.

Das nimmst du mit

  • Dein Gehirn kann etwa 150 stabile Beziehungen verarbeiten, in denen du die Person und ihre Verbindungen kennst.
  • Diese Grenze ist biologisch bedingt durch die Größe deines Neokortex und evolutionär sinnvoll.
  • Innerhalb der 150 gibt es nested Layers: 5 Intimfreunde, 15 gute Freunde, 50 Bekannte.
  • Social Media erweitert diese Zahl nicht, es täuscht nur Verbindung vor.
  • Priorisiere diese Woche bewusst Zeit mit deinen 15 engsten Menschen und beobachte, wie sich deine Beziehungen vertiefen.
  1. Dunbar’s number - Wikipedia - https://en.wikipedia.org/wiki/Dunbar's_number
  2. Dunbar’s Number - ModelThinkers - https://modelthinkers.com/mental-model/dunbars-number
  3. Dunbar’s Number: Why We Can’t Have More Than 150 Friends (YouTube) - https://www.youtube.com/watch?v=ppLFce5uZ3I
  4. ‘Dunbar’s number’ deconstructed - PMC - https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8103230/
  5. Robin Dunbar Explains Why His ‘Number’ Still Counts - https://www.socialsciencespace.com/2021/05/robin-dunbar-explains-why-his-number-still-counts/
  6. Dunbar’s Number, Psychological Safety and Team Size - https://psychsafety.com/psychological-safety-82-dunbars-number-and-team-size/